Friday, October 14, 2016

Die Übergabe

Es war mir schwergefallen, der Diskussion zwischen dem Seigneur und der Gefangenen zu folgen. War es wirklich so, dass diese Wesen verantwortlich waren für den Fluch der Dämonenmale? Waren die Stammbäume, die über Jahrhunderte Leid, Vernichtung und unsagbare Finsternis über die Welt brachten, selber nur Opfer eines ketzerischen Experiments?

Ich hatte nicht viel Zeit, mir in diesen Fragen eine Meinung zu bilden, da trat eine weitere Fraktion auf. Schon von fernem hörten wir im Gang, wie sich eine Gruppe näherte. Und was für eine! Ein Paar kräftiger, grobschlächtiger Wesen bildete die Vorhut, zwei weitere dieser schlanken, schönen Wesen, die wir als Elfen bezeichneten, folgten. Und als wir den Blick senkten, sahen wir denjenigen, der sich als Anführer herausstellte. Ein kaum handgroßer Wicht, auf einer  gerüsteten Katze reitend, der sich selbstbewußt als Lord Shirax vorstellte. Eine der Elfen war wohl seine Zofe Alathea, der andere erschien mir als ein berobter Sachverständiger.

Sie waren wohl durch das Portal gekommen, um die Gefangene fortzuschaffen. Das Versagen des Gefängnisses hatten sie erwartet; Nach Maries Meinung wäre dies sowieso am nächsten Tage geschehen. Der Seigneur hingegen verwickelte sie in ein Geschäftsgespräch, um aus der Übergabe noch einen Vorteil zu gewinnen. Im Besonderen verlangte er im Austausch ein großes Quantum Feenstaubs. So viel konnten unsere Besucher wohl nicht beschaffen, aber schlußendlich einigte man
sich, die zwei dieser kleinen Säckchen, die sie dabei hatten, dem Seigneur auszuhändigen.

Dem Lord war der Seigneur wohl aus zweiter Hand bekannt; Er kannte auch die beiden nächtlichen Besucher im Schlafgemach, und wußte vom Ableben des Wesens in der Kiste aus Nizza. Daher ergab es sich, daß die Reitkatze, ein durchaus intelligentes Wesen, für eine Frist in Maries Obhut übergeben wurde, wohl auch um ein weiteres Auge auf den Seigneur zu haben. Und das, wo wir wissen, wie er bekennende Spione in seinen Reihen schätzt.

Ermittlungen in Paris: 3. Abschnitt



Ich hätte nicht gedacht, dass der Tag noch skurriler werden könnte.
Unser Tun (das Aufbrechen der Gefängniszelle der Elfe) rief eine Gefolgschaft Feenkreaturen hierher. Ihr Anführer, ein auf einer Kampfkatze reitender, handgroßer Feenlord, erklärte, man wolle die Verbrecherin wieder einsperren. Der Inquisitor entschied sich für eine diplomatische Lösung, offenbar traute er uns nicht zu die Anwesenheit von den beiden großen, grauen Trollen ohne Schaden zu überstehen. Was mich wirklich erstaunte war der Gleichmut und die Ruhe, die der Inquisitor in der Situation beibehalten konnte. Ich bin sicher mein ungläubiges Entsetzen dieser Szene gegenüber spiegelte sich auf allen meinen Zügen wieder. Zwei Trolle, die gewaltbereit und tumb zu uns hinunterstierten, ein Kater in einer Kampfrüstung, als Reiter einen alternden Feenlord. Eine kleine Elfe und ein düsterer Gesell mit Kutte.  Eine Szene aus einem Märchenbuch, aber sicher keine aus dem echten Leben. Der Feenlord bestand darauf Zugang zur Gefangenen zu bekommen, aber der Inquisitor ging in harte Verhandlungen über…. Feenstaub… 2 Fingerhut vielleicht. Ich muss ja nicht alles verstehen…. Am Ende konnte er die Kreaturen überzeugen die Frau fortzuschaffen. Ich werde beten, dass das Vertrauen, das der Inquisitor in diese Wesen setzt berechtigt ist.

P.S.: Es sind noch zwei weitere seltsame Dinge an diesem Abend passiert. Über das eine werde ich noch schweigen und beobachten, was das alles zu bedeuten hat. Manchmal fehlt auch mir der Mut mich etwas zu stellen.
Von dem anderen muss berichtet werden: Mit einiger Genugtuung stellte ich fest, dass ich den Kreaturen selbst scheinbar ein Rätsel war, das sie gerne gelöst hätten. Einem der Wesen (der Kreatur unter der Kutte) war aufgefallen, dass wir das Gefängnis nicht mit mondänen Mitteln zerstört hatten. Es gab mir eine tiefe Befriedigung ihn darüber weiterhin im Dunkeln zu lassen. Warum auch immer, ließ ich mich aber auf einen Handel ein, der offene Spionage meiner Person (und wahrscheinlich uns allen) beinhaltet. Dafür habe ich jetzt einen Kater in meinem Dienst (für ein Jahr und einen Tag, weiterhin wie im Märchen). Er kann sprechen (und ist schön flauschig) und möchte regelmäßig Milch haben. Ich mag Katzen. Also ein guter Deal, auch wenn die Sache mit dem Sprechen anhaltend irritierend ist.

Thursday, October 6, 2016

Ermittlungen in Paris: 2. Abschnitt




Der Abstieg in die Kanalisation erwies sich als die richtige Entscheidung. Wir fanden die über ein Jahrtausend alte Ruine (nach Aussagen des Inquisitors) unterhalb der städtischen Abwasserkanäle. Seltsame Runenkreise, durch die Feuer zerstört, waren für die Brände verantwortlich gewesen. Einen letzten Runenkreis fanden wir intakt. Die Ruine selbst erwies sich als marmorner Gang, ein scheinbar geschlossenes System. Keine Spuren von Aktivität hier unten. An dem einen Gangende befand sich der noch intakte Runenkreis. Ein mit Metall (eine silbrig-goldend glänzende Legierung) in den Boden eingegossenes Kunstwerk, das den Inquisitor sogleich in seinen Bann zog.

Auf der anderen Gangseite fanden wir eine (scheinbare) Sackgasse. Ein Portal war in die Wand eingelassen- so eines dieser magischen Tore, wie wir sie schon einige Male sahen. Hier an diesem Ende standen zwei Marmorstatuen, die uns Aufschluss über die Bauherren gaben- große Kreaturen mit spitzen Ohren, Feenwesen eben. Eine hatte einen Portalschlüssel dabei, den der Inquisitor (natürlich) an sich nahm. Der Ort, an den er uns führte erwies sich allerdings als wenig aufschlussreich: Eine Ruinenstadt, längst zerfallen und verlassen, vermutlich irgendwo in Griechenland.

Wir standen vor einem Dilemma. Die Runenkreise schienen durch die Sternenkonstellation ausgelöst zu werden und sie hielten scheinbar Feuerdämonen gefangen. Da diese zumindest nicht in der Stadt herumwütenden, erklärte der Inquisitor seien sie wohl zurückgefahren in die Höllen, woher sie herbeibeschworen wurden. Der letzte Kreis würde ausgelöst werden und zwar schon morgen.
Was war nun hinter der Tür? Wurde dort etwas geschützt oder wurden wir geschützt, vor was immer sich dahinter verbarg. Ganz zu schweigen, dass es mir nicht in den Kopf ging warum man eine Konstruktion baut, die 1400 Jahre hält und sich dann  von alleine auflöst.

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass so wie ich auch den Inquisitor bewundere, ich manchmal seine eigentümlichen Marotten nicht verstehen kann. Wieso besteht der Mann darauf voranzupreschen –mitten in jede Gefahr hinein- statt uns zu erlauben ihn zu schützen? Ich werde ein 4 Augen Gespräch mit ihm suchen müssen. Wem soll ich das bitte erklären (außer dem Quartiermeister…) wenn unser Inquisitor den Tod findet und wir dabei hinter ihm unversehrt herumlümmeln? Auch sollte er meiner bescheidenden Ansicht seine Idee wen er für vertrauenswürdig hält und wen nicht dringend überdenken. Und auch ich sollte mir wohl merken den Männern der Kirche weniger Vertrauen entgegen zu bringen. Ich rede ja nicht gerne schlecht über die Diener unseres Herrn, aber dieser alte Sack in Notre Dame hätte auch eine Katastrophe über uns alle heraufbeschworen können, als er den letzten Runenkreis für seine eigenen Zwecke brach.

Wir wissen jetzt, was hinter der Tür verborgen lag. Und es macht überhaupt keinen Sinn! Warum sperrt jemand ein dummes, kleines Elfenmädchen weg? Gut, dass ich die Einzige zu sein scheine, die kein Latein spricht. Ich befürchte hätte ich die Göre auch noch verstanden und nicht nur den unverschämten Ton in ihrer Stimme mitbekommen, wäre sie jetzt um einige Ohrfeigen reicher. Wer bitte sperrt auf diese drakonische Weise jemanden weg und lässt denjenigen dann aber nicht einmal die Zeit spüren, die er in einem solchen Gefängnis verbringen muss? Und selbst wenn ihre Eltern (die scheinbar genau wie sie absurd alt werden) einfach Mal 1400 Jahre keine Lust auf ihr Kind hatten, erscheinen die Maßnahmen ihrer Sicherung doch wirklich etwas übertrieben. Vielleicht wäre eine gute Kinderstube die bessere Methode gewesen… Sei es drum, ich hoffe der Inquisitor macht sich Gedanken an wen wir das Mädchen übergeben sollen. Er wird ja schließlich nicht so dumm sein, sie irgendwo frei rumlaufen zu lassen.

P.S.: Ich muss ständig darüber nachgrübeln, was Maximilian wohl vorgehabt hätte. Bestimmt etwas Glorreicheres oder wenigstens Sinnvolleres, als den anderen beim Latein-Reden zuzuhören. Wieso nur, musste er den Inquisitor ausgerechnet, als er selbst um etwas Gebeten wurde danach fragen, ob dieser mich freistellen kann? Ich bin mir sicher, hätte er einen günstigeren Zeitpunkt gewählt, hätte es den Inquisitor nicht ganz so erzürnt, vielleicht sogar milde gestimmt, dass er diesmal mit einbezogen wird. Jetzt bleibe ich zurück mit meiner Neugier und fühle mich erneut zwischen allen Stühlen.  

Friday, September 30, 2016

Der Beginn der Ermittlungen im Fall Paris



Ein neuer Fall zieht uns nach Paris. Ich persönlich hätte mir ein entfernteres und weniger übelriechendes Ziel unserer nächsten Investigation gewünscht. Aber vielleicht kann ich die Gelegenheit nutzen meinen Bruder Jean zu besuchen. Wir haben uns zuletzt an den Weihnachtstagen gesehen und nur wenig Gelegenheit gehabt zu reden. Der Fall umfasst –natürlich- eine der wenigen Bereiche meines Berufes, den ich lieber gemieden hätte. Wobei- ich sollte mich nicht beschweren. Ich wusste, dass wir früher und später erneut auf Teufeleien im Zusammenhang mit Feuer stoßen würden

In Paris sind 4 Häuser im Handwerkerviertel abgebrannt und der zuständige Kommissar – Ms. Cloussoe vermutet unheilige Ursachen. Der Geruch von Schwefel habe ihn dazu bewogen die Inquisition hinzuzuziehen. Es handelt sich um einen Gasthof, ein Lagerhaus, ein Wohnhaus und das Haus eines Küvners. Vor 5 Tagen geschah der letzte Brand.

Der erste Abend stellte sich als wenig hilfreich heraus. Ich muss mich wohl daran gewöhnen in Zivil als Frau behandelt zu werden. Eine sicherlich lehrreiche- wenn auch nicht angenehme- Lektion nur weil man am Abend ohne Herrenbegleitung unterwegs ist, für eine Hure gehalten zu werden. Zumindest wird der Kerl sich in Acht nehmen, noch einmal so ein „Missverständnis“ zustande kommen zu lassen… Ich hatte noch daran gedacht Maximilian zu bitten, uns zu begleiten. Aber wer will schon Salz in alte Wunden streuen, nun wo der Inquisitor wieder Vertrauen in meine Fähigkeiten und Loyalität zu haben scheint. Annkatharine fand durch ihre angenehme Art –sie ist in charmanter Konversation mir um Meilen überlegen- ein wenig heraus und ich konnte die Atmosphäre der Bewohner in der Nähe eines der abgerannten Häuser aufnehmen. In der Tat scheinen sich die einfachen Parisianer wenig Gedanken um die Feuer zu machen. Ein Ärgernis eben, und ein paar Gerüchte über die „Rache der Magiegeborenen“ gibt es, ohne dass es hier jemanden zu beunruhigen scheint. Auffällig ist die Hitze der Flammen, die einige der Steine, des ehemaligen Gasthauses, das wir betrachteten zum Schmelzen gebracht zu haben schien.

Der zweite Tag erwies sich als der Quell der Informationen, die wir benötigen, um –so Gott will- den Fall zügig aufzuklären und die Schuldigen zu bestrafen! Ich muss gestehen, dass dies alles andere als mein Verdienst war. Der neue Rekrut Julienne- ein schweigsamer und offenkundig einfacher junger Mann- und ich begutachteten einen der Tatorte. Ein Lagerhaus. Ein Tag in Schutt und Staub- ohne dass ich eine vernünftige Idee entwickelt hätte, wie man sich dieser Art von Tatort angemessen widmet. Eine peinliche Angelegenheit, aber der Inquisitor hob nur eine Augenbraue und hat sich zurückgehalten mich vor den Männern zurechtzuweisen. Er informierte uns über seine wesentlich ergiebigeren Nachforschungen. Offenbar lagen die vier Häuser auf einer geraden Strecke und ein Brand geschah jeweils in einem bestimmten zeitlichen Abstand (alle 3 Tage, nach nunmehr 12 Tagen). Der Inquisitor erklärt uns, dass es wohl Zusammenhänge zu irgendeinem heidnischen Glauben und einer Sternenkonstellation gäbe. Der Inspektor hatte bis dahin noch angenommen, dass die Brände aufgehört hatten vor 5 Tagen. Eine nähere Untersuchungen und Ableitungen aus den Recherchen des Inquisitors ergaben jedoch, dass vor 2 Tagen ein Brand in einem Park (auf der Geraden, die die Form der Brände nachzeichnen) stattgefunden hatte. Es wird wohl morgen Nacht wieder zu einem Brand kommen! Diesmal wird es ein Waisenhaus betreffen. Wir werden dafür Sorge tragen, dass das Haus evakuiert werden wird.
Eine weitere wichtige Beobachtung erscheinen die Berichte der Bewohner und Zeugen zu sein, nachdem das Feuer im Erdgeschoss stets begann, keine auffälligen Männer zuvor gesichtet wurden und es eine blaue Stichflamme von unten nach oben gegeben habe. Diese ist an mindestens 2 der Tatorte gesichtet worden. In seiner unendlichen Weisheit vermutet der Inquisitor, dass die Brandursache oder die Brandverursacher wohl in der Kanalisation zu finden wäre. Ein weiteres Indiz dafür sind meiner Meinung nach das Vorhandensein alter römischer Ruinen unterhalb dieses Teils der Stadt. Ich hege den Verdacht eines heidnischen- möglicherweise römischen Kultes und auch, dass die Brände eher Folge ihres Handelns, als direkte Absicht waren. Es wird sich wohl alles ergeben. Vielleicht sogar schon heute, denn wir bereiten uns gerade vor in die Kanalisation hinabzusteigen….