Wir bekamen einen neuen Auftrag: In einer der französischen
Provinzen in der Karibik soll es zu mehrfachen Sichtungen von Wiedergängern
gekommen sein. Nun hat man den Inquisitor ausgewählt sich dessen anzunehmen.
Eine Reise, die gut und gerne en viertel Jahr oder länger in Anspruch nehmen
könnte. Weihnachten fern ab der Heimat verbringen zu müssen, würde mich sehr
betrüben. Aber das ist nebensächlich. Alle scheinen zu vermuten, diese Reise
sei ein politischer Schachzug- mindestens ein Streich- von Inquisitor De
Breque. Aber selbst wenn dem so sein mag, vertraue ich darauf, dass wir stets
an die Orte und zu den Menschen reisen werden, die uns am meisten brauchen. Es
wird in Gottes Plan alles seine Berechtigung haben, dessen bin ich mir sicher.
Die Reise nahm 40 Tage in Anspruch. Ich musste feststellen,
dass auf einem Schiff zusammengepfercht mit einem Haufen Soldaten und Seeleuten
die Zeit tot zu schlagen eine große Geduldsprobe ist. Mir war noch nie so
langweilig zumute. Die Vorstellung der Rückreise auf dem gleichen Weg (nur noch
länger, wie man uns mitteilte) löst jetzt schon starke Übelkeit und Unmut in
mir hervor.
Gua De Loup erscheint wie ein Ort aus einem Traum. Exotisch
und Fremdartig. Die Fauna und Flora erscheint über die Maßen fremd. Manchmal
ähnlich wie daheim, aber auf groteske Art in ein Extrem gezogen. Annkatherine
und ich fanden eine Schildkröte, so groß wie ein Keiler am Strand. Absurd! Ich
hätte jeden, der mir erzählen wollte, dass es auf der Welt Schildkröten gibt,
die zu dieser Größe heranwachsen können einen Lügner oder Spinner genannt.
Die Insel wird von einem Gouvernor Wintergard regiert. Ein
blasierter, oberflächlich erscheinender Mensch, der seine Bediensteten und Sklaven
schindet und nur am eigenen Profit interessiert scheint. Ich weiß von Sklaverei
und die Bibel selbst scheint dies als rechtens auszugeben. Aber es mit eigenen
Augen zu sehen, wie dieser Mann mit den Seinen umgeht! Kein Bauer würde auf die
Idee kommen seinen Hund so zu behandeln, wie Wintergard seine Sklaven. So etwas
ist Unrecht, doch mir sind die Hände gebunden. Wir haben hier keine
Jurisdiktion und auch wenn ich Anzeichen sehe, dass auch der Inquisitor meine
Ansicht über Wintergard teilt, glaube ich –zumindest zum jetzigen Zeitpunkt-
nicht, dass wir etwas am Elend dieser Leute ändern können.
Das einzige Elend, dem wir uns widmen könnten – die
Wiedergänger- sind uns weiterhin ein Rätsel. Die Sklaven, die uns etwas
erzählen könnten, schweigen darüber. Ihr Misstrauen und ihre Angst uns
gegenüber sind bisher noch ungebrochen. Ich kann es ja verstehen, aber es ist
nicht hilfreich für das Auffinden einer schnellen Lösung der unnatürlichen
Bedrohung.
P.S.: Auf einem abendlichen Spaziergang am Strand, entdeckte
Annkatherine einen auffälligen Pfad in den Dschungel. Nur wenige Schritte ins
Dickicht vernahmen wir Klänge von Musik, die deutlich europäischen Ursprungs zu
sein schienen. Wir entdeckten wohl eine kleine Enklave von Feenwesen. Leider
nicht früh genug- ich bin mitten in eines ihrer Häuser getreten. Alle Versuche
der Entschuldigung waren vergebens. Aber ich habe schon eine Idee, wie ich die
Sache wieder gut machen kann.
Interessant an diesem Ereignis ist, dass Annkatherin
vielleicht Recht hat und dieser Ort wirklich durch eines der Steinportale mit
Europa verbunden ist. Das wäre eine wunderbare Sache!
Ich hatte eine interessante Unterhaltung mit Maximilian, der
seit wir die Reise antraten noch stiller und in sich gekehrter wirkte als
sonst. Es betrübt mich sehr zu sehen, wie sehr es ihn grämt, dass der
Inquisitor hier ins Exil geschickt wurde. Er scheint sich große Sorgen um die
Ereignisse, die sich in unserer Abwesenheit in der Heimat ereignen könnten.
Zudem scheint ihm die Situation um die Sklaven noch mehr mitzunehmen, als mich.
Er zitierte einen Text, der seine Ansicht deutlich machte, dass Sklaverei an
sich ein Frevel sei. Bei dem was ich hier sehe, bin ich geneigt ihm
zuzustimmen. Ich werde über seine Worte nachdenken.
No comments:
Post a Comment