Friday, November 25, 2016

Abenteuer in der Karibik (Abschnitt 1 und 2)



Wir bekamen einen neuen Auftrag: In einer der französischen Provinzen in der Karibik soll es zu mehrfachen Sichtungen von Wiedergängern gekommen sein. Nun hat man den Inquisitor ausgewählt sich dessen anzunehmen. Eine Reise, die gut und gerne en viertel Jahr oder länger in Anspruch nehmen könnte. Weihnachten fern ab der Heimat verbringen zu müssen, würde mich sehr betrüben. Aber das ist nebensächlich. Alle scheinen zu vermuten, diese Reise sei ein politischer Schachzug- mindestens ein Streich- von Inquisitor De Breque. Aber selbst wenn dem so sein mag, vertraue ich darauf, dass wir stets an die Orte und zu den Menschen reisen werden, die uns am meisten brauchen. Es wird in Gottes Plan alles seine Berechtigung haben, dessen bin ich mir sicher.

Die Reise nahm 40 Tage in Anspruch. Ich musste feststellen, dass auf einem Schiff zusammengepfercht mit einem Haufen Soldaten und Seeleuten die Zeit tot zu schlagen eine große Geduldsprobe ist. Mir war noch nie so langweilig zumute. Die Vorstellung der Rückreise auf dem gleichen Weg (nur noch länger, wie man uns mitteilte) löst jetzt schon starke Übelkeit und Unmut in mir hervor.

Gua De Loup erscheint wie ein Ort aus einem Traum. Exotisch und Fremdartig. Die Fauna und Flora erscheint über die Maßen fremd. Manchmal ähnlich wie daheim, aber auf groteske Art in ein Extrem gezogen. Annkatherine und ich fanden eine Schildkröte, so groß wie ein Keiler am Strand. Absurd! Ich hätte jeden, der mir erzählen wollte, dass es auf der Welt Schildkröten gibt, die zu dieser Größe heranwachsen können einen Lügner oder Spinner genannt.

Die Insel wird von einem Gouvernor Wintergard regiert. Ein blasierter, oberflächlich erscheinender Mensch, der seine Bediensteten und Sklaven schindet und nur am eigenen Profit interessiert scheint. Ich weiß von Sklaverei und die Bibel selbst scheint dies als rechtens auszugeben. Aber es mit eigenen Augen zu sehen, wie dieser Mann mit den Seinen umgeht! Kein Bauer würde auf die Idee kommen seinen Hund so zu behandeln, wie Wintergard seine Sklaven. So etwas ist Unrecht, doch mir sind die Hände gebunden. Wir haben hier keine Jurisdiktion und auch wenn ich Anzeichen sehe, dass auch der Inquisitor meine Ansicht über Wintergard teilt, glaube ich –zumindest zum jetzigen Zeitpunkt- nicht, dass wir etwas am Elend dieser Leute ändern können.

Das einzige Elend, dem wir uns widmen könnten – die Wiedergänger- sind uns weiterhin ein Rätsel. Die Sklaven, die uns etwas erzählen könnten, schweigen darüber. Ihr Misstrauen und ihre Angst uns gegenüber sind bisher noch ungebrochen. Ich kann es ja verstehen, aber es ist nicht hilfreich für das Auffinden einer schnellen Lösung der unnatürlichen Bedrohung.

P.S.: Auf einem abendlichen Spaziergang am Strand, entdeckte Annkatherine einen auffälligen Pfad in den Dschungel. Nur wenige Schritte ins Dickicht vernahmen wir Klänge von Musik, die deutlich europäischen Ursprungs zu sein schienen. Wir entdeckten wohl eine kleine Enklave von Feenwesen. Leider nicht früh genug- ich bin mitten in eines ihrer Häuser getreten. Alle Versuche der Entschuldigung waren vergebens. Aber ich habe schon eine Idee, wie ich die Sache wieder gut machen kann.
Interessant an diesem Ereignis ist, dass Annkatherin vielleicht Recht hat und dieser Ort wirklich durch eines der Steinportale mit Europa verbunden ist. Das wäre eine wunderbare Sache!

Ich hatte eine interessante Unterhaltung mit Maximilian, der seit wir die Reise antraten noch stiller und in sich gekehrter wirkte als sonst. Es betrübt mich sehr zu sehen, wie sehr es ihn grämt, dass der Inquisitor hier ins Exil geschickt wurde. Er scheint sich große Sorgen um die Ereignisse, die sich in unserer Abwesenheit in der Heimat ereignen könnten. Zudem scheint ihm die Situation um die Sklaven noch mehr mitzunehmen, als mich. Er zitierte einen Text, der seine Ansicht deutlich machte, dass Sklaverei an sich ein Frevel sei. Bei dem was ich hier sehe, bin ich geneigt ihm zuzustimmen. Ich werde über seine Worte nachdenken.

Friday, November 18, 2016

Die Überfahrt

Es begann mit einer recht eigentümlichen Lieferung, die ein Kollege dem Seigneur zukommen ließ. So waren wir beide zunächst ratlos, als ein paar Herren ein ganzes Fass voller schmackhafter Zitrusfrüchte anlieferten. Den Anlaß für diese Aufmerksamkeit erfuhr ich erst zwei Wochen später. Es waren wohl Berichte über merkwürdige Phänomene auf einer Insel in der Neuen Welt namens Guadeloupe eingetroffen, und der Seigneur wurde ausgewählt, diesen nachzugehen, bestimmt aufgrund seiner herausragenden Tüchtigkeit. Ich freute mich immens für ihn, dass ihm eine solche Ehre zuteil würde, aber er wirkte etwas verschnupft bei dem Thema. Als er mir dann auch noch in seinem gewohnt bedeckten Tonfall eröffnete, dass neben einer Auswahl seines Kommandos auch ich ein Teil dieser Expedition sein durfte, sprang mein Herz voller Vorfreude, und ich machte mich eifrig an die Vorbereitungen.

Ich erfuhr aus den Büchern, dass es dort rund ums Jahr warm und fruchtbar sein sollte, ein malerisches Eiland von üppigem Pflanzenwuchs und allerlei Wundern der Schöpfung, umgeben von klarem Wasser. Zwischen uns und dem Ziel würde eine weit über einen Monat dauernde Seereise liegen, die gewiss auch für sich ein interessantes Abenteuer sein würde.

Und so kam es dann auch. Uns blieben nur ein paar Tage, noch letzte Vorbereitungen zu treffen, dann machten wir uns auf die Reise ans Meer, wo wir uns einschiffen sollten. An Bord herrschte eine gewisse Enge und Intimität, die etwas befremdlich wirkte. Zum Glück hatten Marie und ich die Möglichkeit, einen kleinen eigenen Bereich abzutrennen. Und so begann die Reise, mit Höhen
und Tiefen, langwierig, aber doch nicht langweilig, und ich hatte die Möglichkeit, viele Impressionen, zunächst der Küstenlinie, später der offenen See, als Stickereien zu verewigen. Die Versorgung war ausreichend, und dank des Obstes phasenweise durchaus schmackhaft.

Wo andere Reiseteilnehmer meine Begeisterung nicht teilten, war ihnen die Überfahrt natürlich weitaus unbequemer. Aber natürlich stieg zum Ende der Reise auch bei mir die Vorfreude, unser Ziel zu erreichen. Und letztendlich kam der große Tag, an dem das Schiff an seinem Bestimmungsort anlegte. Es war ein besonderes Gefühl, wieder auf festem Boden zu stehen, und die kleine Siedlung in malerischer Umfeld zu betrachten, in der Menschen unterschiedlichster Herkünfte ihrem Tagwerk nachgehen konnten. Verglichen mit der offenen See war es hier allerdings doch recht schwül.

Der Seigneur wurde von einem wohlgekleideten Herrn begrüßt, der sich als der örtliche Gouverneur vorstellte, ein wohlhabender und erfolgreicher Mann. Er wirkte auf mich allerdings etwas getrieben und engstirnig, und führte ein recht straffes Regiment, frei von väterlichem Langmut. Gewiss eine irrige Einschätzung meinerseits Um über diese sündhaften und beschämend negativen Gedanken bald hinwegzukommen, würde ein Spaziergang durch die kleine Siedlung sicher helfen. Und mit dem Wohlwollen des Seigneurs könnte ich vielleicht auch erste Bande mit den Einheimischen knüpfen und mich etwas an die örtlichen Sitten anpassen.