Thursday, October 6, 2016

Ermittlungen in Paris: 2. Abschnitt




Der Abstieg in die Kanalisation erwies sich als die richtige Entscheidung. Wir fanden die über ein Jahrtausend alte Ruine (nach Aussagen des Inquisitors) unterhalb der städtischen Abwasserkanäle. Seltsame Runenkreise, durch die Feuer zerstört, waren für die Brände verantwortlich gewesen. Einen letzten Runenkreis fanden wir intakt. Die Ruine selbst erwies sich als marmorner Gang, ein scheinbar geschlossenes System. Keine Spuren von Aktivität hier unten. An dem einen Gangende befand sich der noch intakte Runenkreis. Ein mit Metall (eine silbrig-goldend glänzende Legierung) in den Boden eingegossenes Kunstwerk, das den Inquisitor sogleich in seinen Bann zog.

Auf der anderen Gangseite fanden wir eine (scheinbare) Sackgasse. Ein Portal war in die Wand eingelassen- so eines dieser magischen Tore, wie wir sie schon einige Male sahen. Hier an diesem Ende standen zwei Marmorstatuen, die uns Aufschluss über die Bauherren gaben- große Kreaturen mit spitzen Ohren, Feenwesen eben. Eine hatte einen Portalschlüssel dabei, den der Inquisitor (natürlich) an sich nahm. Der Ort, an den er uns führte erwies sich allerdings als wenig aufschlussreich: Eine Ruinenstadt, längst zerfallen und verlassen, vermutlich irgendwo in Griechenland.

Wir standen vor einem Dilemma. Die Runenkreise schienen durch die Sternenkonstellation ausgelöst zu werden und sie hielten scheinbar Feuerdämonen gefangen. Da diese zumindest nicht in der Stadt herumwütenden, erklärte der Inquisitor seien sie wohl zurückgefahren in die Höllen, woher sie herbeibeschworen wurden. Der letzte Kreis würde ausgelöst werden und zwar schon morgen.
Was war nun hinter der Tür? Wurde dort etwas geschützt oder wurden wir geschützt, vor was immer sich dahinter verbarg. Ganz zu schweigen, dass es mir nicht in den Kopf ging warum man eine Konstruktion baut, die 1400 Jahre hält und sich dann  von alleine auflöst.

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass so wie ich auch den Inquisitor bewundere, ich manchmal seine eigentümlichen Marotten nicht verstehen kann. Wieso besteht der Mann darauf voranzupreschen –mitten in jede Gefahr hinein- statt uns zu erlauben ihn zu schützen? Ich werde ein 4 Augen Gespräch mit ihm suchen müssen. Wem soll ich das bitte erklären (außer dem Quartiermeister…) wenn unser Inquisitor den Tod findet und wir dabei hinter ihm unversehrt herumlümmeln? Auch sollte er meiner bescheidenden Ansicht seine Idee wen er für vertrauenswürdig hält und wen nicht dringend überdenken. Und auch ich sollte mir wohl merken den Männern der Kirche weniger Vertrauen entgegen zu bringen. Ich rede ja nicht gerne schlecht über die Diener unseres Herrn, aber dieser alte Sack in Notre Dame hätte auch eine Katastrophe über uns alle heraufbeschworen können, als er den letzten Runenkreis für seine eigenen Zwecke brach.

Wir wissen jetzt, was hinter der Tür verborgen lag. Und es macht überhaupt keinen Sinn! Warum sperrt jemand ein dummes, kleines Elfenmädchen weg? Gut, dass ich die Einzige zu sein scheine, die kein Latein spricht. Ich befürchte hätte ich die Göre auch noch verstanden und nicht nur den unverschämten Ton in ihrer Stimme mitbekommen, wäre sie jetzt um einige Ohrfeigen reicher. Wer bitte sperrt auf diese drakonische Weise jemanden weg und lässt denjenigen dann aber nicht einmal die Zeit spüren, die er in einem solchen Gefängnis verbringen muss? Und selbst wenn ihre Eltern (die scheinbar genau wie sie absurd alt werden) einfach Mal 1400 Jahre keine Lust auf ihr Kind hatten, erscheinen die Maßnahmen ihrer Sicherung doch wirklich etwas übertrieben. Vielleicht wäre eine gute Kinderstube die bessere Methode gewesen… Sei es drum, ich hoffe der Inquisitor macht sich Gedanken an wen wir das Mädchen übergeben sollen. Er wird ja schließlich nicht so dumm sein, sie irgendwo frei rumlaufen zu lassen.

P.S.: Ich muss ständig darüber nachgrübeln, was Maximilian wohl vorgehabt hätte. Bestimmt etwas Glorreicheres oder wenigstens Sinnvolleres, als den anderen beim Latein-Reden zuzuhören. Wieso nur, musste er den Inquisitor ausgerechnet, als er selbst um etwas Gebeten wurde danach fragen, ob dieser mich freistellen kann? Ich bin mir sicher, hätte er einen günstigeren Zeitpunkt gewählt, hätte es den Inquisitor nicht ganz so erzürnt, vielleicht sogar milde gestimmt, dass er diesmal mit einbezogen wird. Jetzt bleibe ich zurück mit meiner Neugier und fühle mich erneut zwischen allen Stühlen.  

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