Auf der anderen Gangseite fanden wir eine (scheinbare) Sackgasse.
Ein Portal war in die Wand eingelassen- so eines dieser magischen Tore, wie wir
sie schon einige Male sahen. Hier an diesem Ende standen zwei Marmorstatuen,
die uns Aufschluss über die Bauherren gaben- große Kreaturen mit spitzen Ohren,
Feenwesen eben. Eine hatte einen Portalschlüssel dabei, den der Inquisitor
(natürlich) an sich nahm. Der Ort, an den er uns führte erwies sich allerdings
als wenig aufschlussreich: Eine Ruinenstadt, längst zerfallen und verlassen, vermutlich
irgendwo in Griechenland.
Wir standen vor einem Dilemma. Die Runenkreise schienen
durch die Sternenkonstellation ausgelöst zu werden und sie hielten scheinbar
Feuerdämonen gefangen. Da diese zumindest nicht in der Stadt herumwütenden,
erklärte der Inquisitor seien sie wohl zurückgefahren in die Höllen, woher sie
herbeibeschworen wurden. Der letzte Kreis würde ausgelöst werden und zwar schon
morgen.
Was war nun hinter der Tür? Wurde dort etwas geschützt oder
wurden wir geschützt, vor was immer sich dahinter verbarg. Ganz zu schweigen,
dass es mir nicht in den Kopf ging warum man eine Konstruktion baut, die 1400
Jahre hält und sich dann von alleine
auflöst.
An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass so wie ich auch
den Inquisitor bewundere, ich manchmal seine eigentümlichen Marotten nicht
verstehen kann. Wieso besteht der Mann darauf voranzupreschen –mitten in jede
Gefahr hinein- statt uns zu erlauben ihn zu schützen? Ich werde ein 4 Augen
Gespräch mit ihm suchen müssen. Wem soll ich das bitte erklären (außer dem
Quartiermeister…) wenn unser Inquisitor den Tod findet und wir dabei hinter ihm
unversehrt herumlümmeln? Auch sollte er meiner bescheidenden Ansicht seine Idee
wen er für vertrauenswürdig hält und wen nicht dringend überdenken. Und auch
ich sollte mir wohl merken den Männern der Kirche weniger Vertrauen entgegen zu
bringen. Ich rede ja nicht gerne schlecht über die Diener unseres Herrn, aber
dieser alte Sack in Notre Dame hätte auch eine Katastrophe über uns alle heraufbeschworen
können, als er den letzten Runenkreis für seine eigenen Zwecke brach.
Wir wissen jetzt, was hinter der Tür verborgen lag. Und es
macht überhaupt keinen Sinn! Warum sperrt jemand ein dummes, kleines
Elfenmädchen weg? Gut, dass ich die Einzige zu sein scheine, die kein Latein
spricht. Ich befürchte hätte ich die Göre auch noch verstanden und nicht nur den
unverschämten Ton in ihrer Stimme mitbekommen, wäre sie jetzt um einige
Ohrfeigen reicher. Wer bitte sperrt auf diese drakonische Weise jemanden weg
und lässt denjenigen dann aber nicht einmal die Zeit spüren, die er in einem
solchen Gefängnis verbringen muss? Und selbst wenn ihre Eltern (die scheinbar
genau wie sie absurd alt werden) einfach Mal 1400 Jahre keine Lust auf ihr Kind
hatten, erscheinen die Maßnahmen ihrer Sicherung doch wirklich etwas
übertrieben. Vielleicht wäre eine gute Kinderstube die bessere Methode gewesen…
Sei es drum, ich hoffe der Inquisitor macht sich Gedanken an wen wir das
Mädchen übergeben sollen. Er wird ja schließlich nicht so dumm sein, sie
irgendwo frei rumlaufen zu lassen.
P.S.: Ich muss ständig darüber nachgrübeln, was Maximilian
wohl vorgehabt hätte. Bestimmt etwas Glorreicheres oder wenigstens
Sinnvolleres, als den anderen beim Latein-Reden zuzuhören. Wieso nur, musste er
den Inquisitor ausgerechnet, als er selbst um etwas Gebeten wurde danach
fragen, ob dieser mich freistellen kann? Ich bin mir sicher, hätte er einen
günstigeren Zeitpunkt gewählt, hätte es den Inquisitor nicht ganz so erzürnt,
vielleicht sogar milde gestimmt, dass er diesmal mit einbezogen wird. Jetzt bleibe ich zurück mit meiner Neugier und
fühle mich erneut zwischen allen Stühlen.
No comments:
Post a Comment